17. Runde Kampf:

Spice Balls – Union Josefstadt 6:1 (3:0)

Bereits fünf Mal kreuzten wir mit den Gästen schon die Schienbeindeckeln, und langweilig waren diese Partien nie. Fünf Mal sahen die meist nicht vorhandenen Zuseher im Schnitt fast 6 Tore pro Partie, und fünf Mal gingen die Gegner als klarer Sieger vom Platz. In Erinnerung noch unsere letzte Begegnung im Herbst: eine ungelöste Torhüterfrage, eine scheunentoroffene Abwehr, ein passables aber spielerisch unglücklich agierendes Mittelfeld und fehlende Alternativen im Sturm, hervorgerufen durch Ausfälle aus diversesten Gründen – Resultat somit genau ein einziges Pünktchen in den letzten 6 Partien. Dieser Zustandsbericht traf heute praktisch in allen Belangen auf den Gegners zu, und – womit wir uns bei unserer Vergangenheitsbetrachtung rasend schnell an die heutige Begegnung anschleichen – die Entwicklung der beiden Mannschaften gingen seit diesem Zusammentreffen diametral auseinander.

 

Dennoch gab es Unterschiede – doch dazu vielleicht später.

 

Also waren wir trotz der vorwöchentlichen Niederlage – ob wir wollten oder nicht – quasi in der Favoritenrolle, und die Zusagen sprengten das Wechselkontingent gehörig. Ich sag´s nochmal, weil´s so unglaublich klingt: Die Zusagen sprengten das Wechselkontingent gehörig.

 

So musste / konnte der Trainer sogar einige Leute in das vorherige Reservematch schicken – nicht weniger als  (sieben!) Wechselspieler hätten sonst teilweise vergeblich auf einen Kampfeinsatz gehofft. Sie hatten in der Reservepartie so ihren Spaß und unkten nach vollbrachten Reservesieg vor der Kampfpartie gegenüber ihren Kollegen, dass sie heute zumindest einen Sieg mit 5 Toren Unterschied in der Tasche hätten.

 

Vollmotiviert startete somit der „Rest“ ins Match, und bereits nach wenigen Minuten war klar, wer heute das sagen bzw. das spielen hatte. Von Beginn an war eine deutliche Überlegenheit erkennbar. Zwar war das gegnerische Mittelfeld personell zahlenmäßig stärker besetzt, der Output der sich dort tummelden Gegner wurden aber trotz zwei Mann weniger auf dieser Position von unserer Seite zumindest egalisiert – mehr noch, effektive Impulse kamen hier sogar mehr von uns. Damit waren wir im restlichen Feld überall in der Überzahl und hatten so viel Zeit wie schon lange nicht, um teilweise mit mauzgenaue Diagonalpässen unsere Stürmer zu versorgen. Die waren sich in der Anfangsphase sich selber ein größerer Gegner als die Defensive der Gäste, da wurden sich selber mit dem Standfuß Bälle falsch vorgelegt, Torhüter (und Tor) zu hoch überhoben, alleine vor dem Goalie Bälle verstolpert oder aus vollem Lauf volley der Ball schlecht getroffen.

 

In dieser Zeit kamen die Gäste nur einmal gefährlich vor das Tor, doch bevor Big Sexy seine Pranken einsetzen musste, hatte die Innenverteidigung die Situation geklärt.

 

Die Führung kam dann mehr als gerechtfertigt, und auch wenn der Innenverteidiger der Gäste die Maßflanke selber ins Tor bugsierte, kann er sich damit trösten, dass dazu genötigt wurde – wenn er es nicht getan hätte – Mr. Cheese hätte die Sache finalisiert.

 

Weiterhin gab es Chancen, und endlich wurde dann auch ein Elferfoul gegeben.  Womit Halaluja beweisen konnte, dass wir auch in der Kategorie „unbegründete Selbstüberschätzung“ mit dem Gegner auf Augenhöhe agierten, denn die geschlapfte Ausführung des Strafstoßes hoch über das Tor war gelinde gesagt eine Verhöhnung – und zwar letztendlich die seiner selbst bzw. unserer Mannschaft. Warum sich die Gäste aber spätestens nach Tor 2 und drei (Halaluja und Mr. Cheese machten alles wieder gut) darüber beklagten, dass sie als bessere Mannschaft hinten liegen würde, wird wohl nur durch die Union Josefstadt Brille gesehen erklärbar sein, ein deutlich höherer Rückstand wäre sogar eher gerechtfertigt gewesen – womit wir beim ersten der oben angesprochenen Unterschieden wären -  wir wussten damals, dass wir einfach schlecht waren.

 

Lautstark beklagten sie sich ebenfalls, dass wir nur mit nach vorne geschlagenen Bällen erfolgreich wären, was erstens den Unterschied zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung deutlich macht, zweitens den Gästen die Gelegenheit gab, den entsprechenden Wind in Hälfte 2 nun für sich zu nutzen. Das probierten sie auch gleich einmal aus, aber gerade die mit dem Wind produzierten weiten Pässe sind sowohl bei Ausführung als auch Annahme nicht so einfach sind wie es aussieht, nun ja, Realität schlägt Subjektivität.

 

Der Unterschied zwischen Wollen und Können bzw. Form und Unform zeigte sich dann auch in unseren Gegenstößen. Teilweise lief der Ball über mehrere Stationen, lediglich beim Abschluss kam der fehlenden Konzentration teilweise das Ballglück hinzu – zumindest bei Tor 4. Spätestens ab Tor 5 gab es nun für uns die Möglichkeit des Testens: Also wurde die Abwehr zu 75% ausgewechselt, und auch die Offensive zu 2/3, teilweise durch Auswechslungen, andererseits durch Umstellungen. Es gab sogar ein Kampfdebüt – und eine neue Herausforderung. Immerhin hatte die neue Abwehr noch nicht einmal annähernd in solcher Aufstellung agiert – und die eingespielte in die Offensive geschickt wurde.

 

Prinzipiell hätte sich jetzt unsere neue Innenverteidigung übrigens auf mehreren Sprachen miteinander unterhalten können, beide bevorzugen aber seit ihrer Geburt Deutsch und können das somit weit besser, als manche Kapitäne ihren Umgang mit rassistischen Äußerungen unter Kontrolle haben.

 

Sowohl Abwehr als auch Sturm mussten sich aber erst finden, in dieser Phase kam der Gegner erstmals auf – beeindruckend, dass sie selbst bei diesem Rückstand offensichtlich nicht aufgaben, was dort für den weiteren Abstiegskampf wohl als Plus verbucht werden kann.

 

Somit kam es auch zum Gegentreffer. Nach und nach ordnete sich das Spiel aber wieder – wobei der Captain seine Stimmbänder ziemlich strapazieren musste – und in Folge resultierten diese Bemühungen im 6. Treffer.

 

13 Punkte wollte man in der Frühjahrsrunde holen, diese waren bereits nach genau der Hälfte der Halbsaison – nämlich zur Halbzeit des heutigen Spieles – in trockenen Tüchern. Womit wir in einer halben Halbsaison genau so viel auf dem Konto haben wie in den letzten 2 ganzen Halbsaisonen (für die Mathematiker unter uns: in einem Viertel der Zeit).

 

Das sollte wohl für den Klassenerhalt reichen, womit wir uns bereits ab heute gezielt auf die Saisonabschlußfeier in 1,5 Monaten vorbereiten können – und der eine oder andere Punkt wird vielleicht dann noch dazu gekommen sein.